Weil es mir mit dem zweiten Chemo-Wirkstoff doch recht gut geht, hab ich mit meinen zwei besten Freundinnen ganz spontan ein Mädelswochenende im Bayerischen Wald gebucht. Vor Corona waren wir das letzte Mal ein Wochenende fort. Damals im Hotel Herzog Heinrich. Das Zimmer war schön, das Essen lecker, aber der Wellnessbereich war uns dort einfach zu kalt (mimimi).
Darum haben wir dieses Mal zwar wieder den nahe gelegenen Bayerischen Wald ausgewählt, allerdings ein anderes Hotel. Ein Traum und absolut zu empfehlen:
Weil ich von uns Dreien immer die Planungsbeauftragte bin, mir meine Freundinnen komischerweise blind vertrauen und sie sich nie ein Angebot von mir ansehen, hab ich mich vor einigen Wochen schon auf die Suche nach einem Hotel gemacht wo wir spontan noch hinfahren können. Durch Corona und die Chemo ließ sich das alles nicht so richtig planen. Daher haben wir eben vor kurzem erst spontan gebucht. Diesmal über Booking.com und ich bin echt begeistert!
Man hat die grosse Auswahl an Hotels zu jeder Region und kann meist noch bis zum Anreisetag stornieren. Perfekt also für uns weil wir nicht wussten ob es mit der Krankheit oder den Kindern (eine Freundin hat erst vor wenigen Monaten entbunden und da weiss man ja nie ...) auch wirklich klappt. Aber alles gut. Am Freitag konnten wir starten! Yay! 1,5 Stunden ins Posthotel Rattenberg!
Unser 3-Bett Zimmer war im 3. Stock, Zimmer 158, der Ausblick ein Traum. Angekommen im Hotel schlüpften wir auch direkt in unsere bereitliegenden Bademäntel. Ab in den Wellnessbereich im Erdgeschoss. Die Räumlichkeiten waren warm, die Liegen bequem und das Wasser zum Schwimmen gerade angenehm kühl. So richtig entspannt waren wir aber noch nicht, und haben uns noch weiter umgesehen, eine Treppe tiefer ging es in den textilfreien Saunabereich. 3 Saunen in verschiedenen Hitzestufen, mehrere Ruheliegen im Innen- und Aussenbereich lassen auch hier keine Wünsche offen. Wasser, Saft oder Tee gabs jederzeit via Selbstbedienung an der Bar. Massagen hätte es auch gegeben, brauchten wir allerdings nicht. Wir waren mit schnattern beschäftigt ;-)
Dass das Dampfbad, die Infrarot-Kabine und der Wasserfall coronabedingt abgeschalten waren und wir in den Gängen Maske tragen mussten hat gar nicht gestört. Gehört es inzwischen halt einfach dazu und fast alle Gäste haben sich daran gehalten.

Zum Abendessen sind wir im urgemütlichen Biergarten eingekehrt und haben den lauen Sommerabend genossen.
Ausschlafen am nächsten Tag! Kein Wecker, kein Sonnenstrahl aber vor allem keine Kinder haben uns am nächsten Tag am Ausschlafen bis 8 Uhr (!!!) gehindert. Einzig die Kirchturmuhr konnten wir leise schlagen hören. Ganz entspannt sind wir dann erst einmal zum reichlich gedeckten Frühstücksbüffet geschlendert. Superlecker! Wir sind geblieben bis es abgeräumt wurde. Herrlich!

Der Samstag stand ganz im Zeichen unseres 3-Gipfel-Panoramawegs welchen ich über die Komoot-App zuhause geplant hatte. Ein 10 km Rundwanderweg mit Einkehr und 3 Gipfelkreuzen. Wobei sich später leider herausgestellt hat, dass das zweite Kreuz gar kein Kreuz mehr ist ...
Mit dem Auto sind wir zunächst 15 Minuten zum Wanderparkplatz Hinterwies gefahren und von dort aus losmarschiert. Ich hatte meine Walking-Stöcke dabei. Seit meiner Thrombose in der rechten Schulter bin ich froh, wenn die Arme beim Laufen oder Wandern nicht nur nach unten hängen, sondern in Bewegung bleiben oder eben gestützt sind. Dann werden sie nicht so schnell dick.

Unsere Shirts für die Wanderung hat meine Freundin vorab bei www.bergmensch.store im Internet bestellt. Als "Faultier Wander Team" sind wir echt aufgefallen und haben einigen Wanderern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Getreu dem Motto "Wir kommen an wenn wir ankommen" ging es also entspannt bergauf, dem 1. Gipfel entgegen.
Der Bayerische Wald rund um Rattenberg, Sankt Englmar und den Pröller ist ein echtes Wanderparadies: sanfte Gipfel, dichte Wälder, urige Gasthöfe und traumhafte Ausblicke bis in die Alpen. Hier lässt sich wunderbar abschalten – fernab vom Trubel, ganz nah bei sich selbst.

Bereits nach 1 km waren wir am ersten Gipfelkreuz am "Pröller" angekommen. Eine wunderschöne Aussicht erwartetet uns. Allerdings war das Wetter etwas ungemütlich, weshalb wir nach einer kurzen Rast gleich weitergegangen sind.
Den Berg wieder runter, vorbei am Berggasthof, Pferdekoppeln, über Wiesen und durch Wälder, durch das wunderschöne Örtchen Münchshöfen bis zum Kastenstein. Leider ist hier das Gipfelkreuz gebrochen. Und auch das „Gipfelplateu“ nur ein kleiner Kletterfelsvorsprung. Ganz nett, aber hätten wir weglassen können. Das Wetter meinte es inzwischen gut mit uns und die Sonne strahlte mit dem bayrischen blau-weissen Himmel um die Wette!

Auf zum 3. Gipfelkreuz, der Käsplatte. Bereits zuhause hab ich mir gedacht, dass dieses Kreuz wohl das Schönste ist und es für den Schluss eingeplant. Und das war es auch. Mega Ausblick. Sonnenschein und grosse Steine die als Liegestuhl auf uns warteten.
Wieder zurück am Auto sind wir noch für eine Brotzeit zum Berggasthof Hochpröller.
Den Abend haben wir im Hotelrestaurant ausklingen lassen. Ein Hoch auf die besten Freundinnen der ganzen Welt!

Vom Sonntag gibt es leider keine Fotos mehr. Wir haben wieder ausgiebig gefrühstückt und sind dann erneut im Wellnessbereich bzw. der Sauna rumgelegen ;-)
Es war ein wunderschöner Kurzurlaub der nach Wiederholung schreit! ❤

Jetzt (vier Jahre später) denke ich oft zurück an dieses Wochenende im Posthotel Rattenberg. Wie wir drei damals einfach raus sind. Raus aus dem Alltag, raus aus dem Sorgenkarussell, rein in ein paar Tage Leichtigkeit, Lachen und leckeres Frühstück.
Was mir damals so gut getan hat, spüre ich heute noch. Nicht nur die Ruhe aus dem Wellnessbereich oder der Blick vom Gipfel, sondern dieses Gefühl, nicht allein zu sein. Ich war mitten in der Chemo und trotzdem unterwegs. Nicht stark, aber getragen.
Getragen von meinen zwei besten Freundinnen. Sie waren einfach da. Ohne große Worte. Sie sind mitgegangen ohne zu zögern. Sie haben mir zugehört, ohne mich zu verbessern ... und sie haben mich genommen so wie ich war: Aufgedunsen, ohne Haare, fahl im Gesicht und noch ziemlich krank ... innerlich und äußerlich.
Und jetzt, vier Jahre später, packen wir bald wieder unsere Taschen. Diesmal gehts auf den großen Arber. Seit drei Jahren auch nicht mehr nur zu dritt, sondern zu viert. Zuletzt waren wir am Edelsberg und auf der Kampenwand.
Wir nehmen uns ein Wochenende Mädelsauszeit-Pause. Wieder ein bisschen raus aus dem Alltag. Ich freu mich wie ein kleines Kind auf Klassenfahrt.
Denn so sehr das Leben einfach weitergeht (mit Terminen, Arbeit, Kinder und neuen Herausforderungen) so wichtig ist es, sich diese Inseln zu schaffen. Orte und Zeiten, an denen man einfach nur ist. Ohne Plan. Ohne Pflicht.
Ich bin unendlich dankbar, solche Freundinnen zu haben. Die bleiben. Die mit mir loslaufen, auch wenn der Weg steil ist. Die wissen, wann man Schokolade oder einen Kaiserschmarrn braucht ... oder einfach nur eine Umarmung.
Und ich hoffe, dass auch DU beim Lesen vielleicht an jemanden denkst, mit dem du genau so ein Wochenende machen solltest. Warte nicht auf den perfekten Zeitpunkt. Mach ihn einfach selbst perfekt.
Das Leben ist zu kostbar, um auf später zu warten. Wir alle verdienen Pausen. Zeit für Freundschaft. Zeit zum Auftanken. Zeit zum Durchschnaufen.
Und wenn du das nächste Mal auf einem Gipfel stehst, vielleicht sogar am Arber – dann denk dran: Es geht nicht darum, wie hoch man steigt. Sondern mit wem man oben ankommt.
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Ich bin hoffnungslos hoffnungsvoll, Siebdruckerin, Mediengestalterin, Mompreneur, Gründerin und kreativer Kopf von shesmile. Ich lebe mit meinen zwei Töchtern und meinem Mann in Siebeneichen, dem schönsten Dorf in Bayern (Oberpfalz).
Hier auf meinem shesmile Blog findest du seit 2007 kreative Bastelideen, knallbunte Nähbeispiele, leckere Rezepte und jede Menge Optimismus. Ich schreibe offen über meine Brustkrebserkrankung und ADHS im Erwachsenenalter. Außerdem berichte ich in meinem Reisetagebuch von meinen Erlebnissen.
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