Letztes Wochenende war es wieder soweit: Der Familien-Kurzurlaub mit meinen Eltern und Brüdern ging in die zweite Runde und wiedermal hat uns unser Papa die schönsten Ecken seiner Herzheimat in Tschechien gezeigt. Letztes Jahr waren wir am wunderschönen Lipno Stausee, dieses Jahr im prunkvollen Karlsbad.
Wir haben glamorös gewohnt, lecker gegessen und tolle Gespräche geführt. Doch der Reihe nach ...

Morgens um 9 Uhr starten wir gemeinsam im VW-Bus meines Bruders in Richtung Tschechien. Erster Halt: der Aussichtspunkt Pískovec oberhalb des ehemaligen Braunkohletagebaus Družba. Vor uns breitet sich eine gigantische, vom Bergbau geformte Landschaft aus. Abbruchkanten, riesige Flächen, Maschinen und Mulden, soweit das Auge reicht. Kaum zu glauben, dass Družba einst sogar der kleinere der beiden benachbarten Tagebaue war.
Im Lom Družba westlich von Nové Sedlo wurde ab 1960 im großen Stil Braunkohle im Tagebau gewonnen. In Spitzenzeiten waren es mehr als zwei Millionen Tonnen pro Jahr. 2011 wurde die Kohleförderung hier eingestellt, heute wird die riesige Grube nach und nach verfüllt und rekultiviert. Direkt daneben liegt der deutlich größere Lom Jiří, der früher bis zu rund acht Millionen Tonnen Kohle jährlich förderte und heute der letzte noch aktive Braunkohletagebau der Region ist. Eines Tages sollen die ehemaligen Tagebaue Družba und Jiří gemeinsam in eine neue Landschaft mit einem großen See verwandelt werden.

Nächster Stopp: das kleine Städtchen Loket, der "Ellbogen der Eger". Seinen Namen verdankt der Ort der markanten Flussschleife der Ohře (Eger), die sich hier fast wie ein angewinkelter Arm um die Altstadt legt. Hoch darüber thront die mehr als 900 Jahre alte Burg Loket, die zu den besterhaltenen romanisch-gotischen Burgen Mitteleuropas zählt.
Wir lassen das Auto auf einem kostenlosen Wanderparkplatz stehen und laufen zu Fuß weiter, ein Stück am Bahngleis entlang und anschließend über Treppenstufen hinauf bis zur historischen Stadtmauer. Von der mächtigen, etwas klotzig wirkenden Brücke haben wir einen tollen Blick auf die Burg, das Amphitheater Loket direkt unterhalb und auf die bunten Schlauchboote und Kanus, die sich auf der Eger durch die Flussschleife treiben lassen.

Wir spazieren durch die wunderschöne Altstadt und lassen uns an der bunten Häuserzeile am Marktplatz im Restaurant Atmosféra (www.restaurantatmosfera.cz) nieder.
Ich bestelle mir natürlich tschechisches Gulasch mit "Scheibenknödel" ... wie ich die böhmische Knödel seit meiner Kindheit nenne. Da waren wir nämlich öfter mal zu Besuch bei einer befreundeten Familie in Prag und ich habe die Knödel dort kennen und lieben gelernt.

Pappsatt fahren wir weiter nach Karlsbad. Zu unserer Unterkunft für die nächsten 3 Tage.
Nach dem Motto "Old but Gold" haben meine Brüder und ich nämlich für uns und unsere Eltern ein Apartment mitten in der Fußgängerzone der Karlsbader Altstadt gebucht. Die Wohnung lag im 2. Stock, war über eine breite Treppe oder einen Aufzug bequem erreichbar und hatte einen wunderschönen Blick auf die Teplá und die umliegenden Häuserzeilen.
Wir teilten uns zwei Schlafzimmer, ein großzügiges Bad mit toller Regendusche sowie eine große Wohnküche mit Kühlschrank, Wasserkocher, Mikrowelle, Geschirrspülmaschine und Kaffeemaschine.

Jeden Morgen wurde uns ein gut gefülltes Frühstückskörbchen mit warmen Aufbacksemmeln, Käse, Wurst, Joghurt, Frischkäse, Marmelade, Honig und Cracker-Variationen direkt zur Wohnungstür gebracht.
Es war für uns die perfekte Unterkunft, um Karlsbad zu Fuß zu entdecken. Auch, weil wir unser Auto gleich in der Nähe auf einem kostengünstigen Parkplatz für die 3 Tage sicher abstellen konnten.
Unbezahlte Werbung und ganz klare Empfehlung an dieser Stelle.

Nachdem die Koffer ausgepackt und die Zimmer bezogen waren, starteten wir unseren Rundgang durch die Altstadt von Karlsbad. Der weltberühmte Ort ist vor allem für seine prachtvollen Kolonnaden und heißen Heilquellen bekannt. Und die wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Also haben wir uns im Kiosk unter unserer Wohnung auch welche von diesen typischen kleinen Porzellan-Trinkbechern mit Schnabelgriff besorgt, aus denen man das besondere Heilwasser so stilvoll genießen kann und liefen los.

Karlsbad besitzt gleich mehrere ganz unterschiedlich gestaltete Kolonnaden. Von der filigranen weißen Marktkolonnade über die monumentale Mühlbrunnkolonnade bis zur modernen Sprudelkolonnade. Allein durch sie hindurchzuschlendern macht schon einen großen Teil des besonderen Karlsbad-Gefühls aus.
Zwischen den Kolonnaden finden sich viele kleine Brunnen, aus denen das mineralreiche Thermalwasser direkt aus der Erde sprudelt. Je nach Quelle mit ganz unterschiedlicher Temperatur.
Geschmacklich ist das Ganze echt gewöhnungsbedürftig. Warm, salzig-mineralisch und definitiv kein Durstlöscher. Am Ende sind wir uns einige: Die Quelle mit der Nr. 15 geht gerade noch so. Der Rest geht gar nicht und schmeckt von mal zu mal immer schrecklicher. 🤣
Nicht unerwähnt bleiben sollte natürlich auch die inoffizielle "13. Quelle" von Karlsbad: Der Becherovka.
Der berühmte Karlsbader Kräuterlikör trägt schon seit Langem den Spitznamen "13. Quelle". Die Bezeichnung stammt aus einer Zeit, als man in Karlsbad noch von zwölf Heilquellen sprach. Becherovka wird seit 1807 in Karlsbad hergestellt und basiert auf einer bis heute geheim gehaltenen Mischung aus Kräutern und Gewürzen.
Eine schöne Übersicht aller Quellen und Kolonnaden findest du auf der offiziellen Website unter www.karlovyvary.cz

Und dann war da noch das Grandhotel Pupp, das prachtvolle Hotel am Ende der Fußgängerzone in dem schon unzählige berühmte Persönlichkeiten zu Gast waren, wie z.B. Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Richard Wagner, Otto von Bismarck, Napoleon Bonaparte, Sigmund Freud oder Franz Kafka.
Und auch Hollywood gibt sich hier regelmäßig die Klinke in die Hand: Robert Pattinson, Uma Thurman, Willem Dafoe, Michael Douglas, Brendan Fraser, Harvey Keitel, Richard Gere, Mel Gibson, John Travolta, Jude Law, Robert De Niro, Matt Dillon, Elijah Wood, Morgan Freeman, Johnny Depp und Leonardo DiCaprio ... um ein paar meiner Highlights zu nennen.
... und natürlich Daniel Craig als James Bond, während der Dreharbeiten zu Casino Royale im Jahr 2006. Vor 20 Jahren!!!?
Das prachtvolle Grandhotel Pupp diente im Film Casino Royale als Kulisse für das fiktive Hotel Splendide in Montenegro, in dem James Bond während des berühmten Pokerturniers wohnt. Mit seiner imposanten Fassade, den luxuriösen Räumen und jeder Menge Belle-Époque-Charme musste sich das traditionsreiche Hotel dafür eigentlich kaum verkleiden. Wer den Film kennt, dürfte das Gebäude sofort wiedererkennen.
Meine filmbegeisterten Brüder und ich staunten nicht schlecht über die beeindruckenden Namen auf den Stolpersteinen in der Einfahrt und warfen auch einen kurzen Blick in das Innere des Hotels mit Lobby, Treppenhaus, Bar- und Cafébereich.
Für mehr war keine Zeit, denn wir wollten noch mit der Standseilbahn zum Dianaturm hinauffahren.

Die Talstation der historischen Standseilbahn liegt nur wenige Meter vom Grandhotel Pupp entfernt. Rechts am Hotel vorbei in der Gasse Mariánská. Alle 15 Minuten fährt die Bahn in nur 5 Minuten von der Altstadt auf etwa 167 Meter Höhe.
Die Bahnfahrt kann am Kiosk in der Talstation bezahlt werden. Der Eintritt in den 40 Meter hohen Turm ist dafür kostenlos. Fehlen noch etwa 150 Stufen und schon hat man einen wunderschönen Blick auf Karlsbad und die umliegende Landschaft.
Nach dem Panorama ist vor dem Abendessen. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen im Biergarten des Diana Restaurants.
Es lohnt sich auch ein Blick in die Gasträume der Bergwirtschaft: Dunkle Holzbalken, eine hohe verzierte Decke, nostalgische Lampen und große Fenster lassen den Raum wie aus einer anderen Zeit wirken. Dazu die klassischen Holzstühle und weiß gedeckten Tische. Einfach urig gemütlich.
Achja, und dann lief da natürlich auch noch ein weißer Pfau durch den Biergarten ... alles ganz normal für Karlsbad. 😅🤍

Zu Fuß laufen wir vom Diana Restaurant zurück Richtung Unterkunft und machen einen kleinen Abstecher in die Villenstraße Krále Jiřího in der ein Gebäude noch prunkiger ist als das nächste. Beim Anblick der russisch-orthodoxen Kirche St. Peter und Paul mit ihren fünf goldglänzenden Zwiebeltürmen fühl ich mich direkt wie in einem Disneyfilm und hab "Flieg mit mir um die Welt" aus dem Film Aladdin direkt im Kopf.
Die Kirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts für die zahlreichen russischen Kurgäste Karlsbads erbaut und gehört für mich definitiv zu den außergewöhnlichsten Gebäuden der Stadt.
Ein passendes Kurzvideo findest du in meinen Instagram-Reels und bei YouTube.

Nach einem ausgiebigen Frühstück in unserem Apartment starten wir in unseren zweiten Ausflugstag direkt unter Tage. Unser erstes Ziel ist der historisch sehr bedeutende Stollen Štola č. 1, den wir bei einer rund 45-minütigen Führung erkunden. Eine Führung auf Deutsch gab es zwar nicht, dafür aber die kostenlose App Cabinet of Wonders, mit der man zu allen Stationen einem deutschen Audioguide lauschen konnte.
Während der Führung bekommt man einen spannenden Einblick in die Geschichte des Bergbaus rund um Jáchymov, die ebenso faszinierend wie bedrückend ist:
Aus dem hier gewonnenen Pechblende-Erz stammte das Material, mit dem Marie und Pierre Curie Ende des 19. Jahrhunderts Radium und Polonium entdeckten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam das Uran jedoch eine ganz andere Bedeutung: Für das sowjetische Atomprogramm wurde in der Region massiv Uran abgebaut. Štola 1 wurde 1952 als Erkundungsstollen angelegt. Unter anderem von politischen Gefangenen aus dem nahegelegenen Lager Svornost, die unter unmenschlichen Bedingungen, ohne ausreichenden Schutz vor Strahlung und mit schwerer körperlicher Arbeit schuften mussten. Die erhaltenen massiven Gitter am Ausgang sollten ihre Flucht verhindern. Wenn man heute in der Kälte und Dunkelheit steht und sich den ohrenbetäubenden Lärm der Bohrhämmer vorstellt, bekommt dieser Ort plötzlich eine ganz andere Wirkung. Viele der Zwangsarbeiter in den Jáchymover Uranminen bezahlten die Arbeit mit ihrer Gesundheit, manche auch mit ihrem Leben.
Tipp: Im Stollen wird es schnell ziemlich kühl. Eine Jacke sollte man deshalb unbedingt dabeihaben.

Für einen kurzen Abstecher fahren wir auf den 1.244 Meter hohen Keilberg, den höchsten Berg des Erzgebirges. Oben besteigen wir den Aussichtsturm (kostenpflichtig) und schauen den Radfahrern zu, wie sie sich samt Bikes mit der Bergbahn nach oben bringen lassen, um anschließend rasant in die verschiedenen Trails zu starten. Insgesamt warten hier im Sommer rund 30 Kilometer Mountainbike-Trails in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Auch das große, knallbunte Luftkissentrampolin sticht sofort ins Auge.
Hier können Sommer- wie Winter-Aktivsportler locker einen ganzen Tag verbringen. Im Winter verwandelt sich der Klínovec in das größte Skigebiet des Erzgebirges, im Sommer dreht sich vieles ums Mountainbiken, Wandern und weitere Outdoor-Aktivitäten.
Details zum Aktivangebot findest du auf der offiziellen Website unter klinovec.cz.

Auf dem nahegelegenen 1.215 Meter hohen Fichtelberg, dem höchsten Berg Sachsens, legen wir noch einen kurzen Aussichtsstopp ein. Vom Gipfelplateau reicht der Blick weit über das Erzgebirge und hinüber zum benachbarten Keilberg. Wir schauen bei der Friedensglocke vorbei, die regelmäßig auf dem Fichtelbergplateau geläutet wird und genießen kurz die Aussicht.

Mit dem Auto geht es weiter nach Gottesgab, einem kleinen Ort hoch oben im Erzgebirge direkt an der deutsch-tschechischen Grenze. Mit rund 1.028 Metern Höhe gilt Boží Dar sogar als höchstgelegene Stadt Tschechiens und Mitteleuropas. Unser Auto lassen wir auf dem kostenpflichtigen Besucherparkplatz am Ortsrand stehen und spazieren zu Fuß hinein.
Schon nach wenigen Metern bin ich ganz verliebt in die hübschen kleinen Häuser mit ihren Holzfassaden und liebevollen Details. Es war schwer, diese besondere Atmosphäre auf einem Foto richtig einzufangen. Das muss man gesehen und erlebt haben.
Auf der großen Wiese mitten im Ort findet an diesem Wochenende der Annamarkt statt. Zahlreiche Marktstände bieten handgemachte Unikate und regionale Produkte an, es wird musiziert, auf Liegestühlen im Schatten entspannt und natürlich gibt es jede Menge Leckereien zu entdecken.
Nach unserem Mittagessen im Restaurant Günther Schänke werfen wir noch einen Blick in die Kirche St. Anna. Dort lausche ich meinen Eltern, die spontan zweistimmig das Lied Ubi Caritas anstimmen. Ein ganz besonderer Moment für mich. 🫶
Danach verabschieden wir uns von Boží Dar und fahren weiter zu unserem nächsten Ausflugsziel.

Thematisch passend zu unserem Besuch im Stollen am Morgen legen wir am Nachmittag noch einen kurzen Stopp am imposanten Radium Palace in Jáchymov ein. Ein ziemliches Kontrastprogramm zur bedrückenden Bergbau- und Zwangsarbeitergeschichte, mit der wir uns wenige Stunden zuvor beschäftigt hatten.
Der neoklassizistische Hotelpalast wurde 1912 eröffnet und gehörte damals zu den luxuriösesten Kurhotels Europas. Er steht für eine ganz andere Seite der Geschichte Jáchymovs: Der Ort erlangte als erstes Radonheilbad der Welt internationale Bekanntheit. Noch heute wird radonhaltiges Wasser aus der Grube Svornost für Kuranwendungen genutzt. Im Laufe der Jahre machten hier auch zahlreiche prominente Gäste Station – darunter Karl May, Richard Strauss und der erste tschechoslowakische Präsident Tomáš Garrigue Masaryk.

Weiter geht es nach Schlackenwerth, der früheren Heimatstadt unserer Freundin Jindra aus Prag. Unser Auto stellen wir auf einem kostenlosen Parkplatz direkt am Schlosspark (Zámecký park) ab und spazieren durch die weitläufige, wunderschön angelegte Parkanlage. Dabei kommen wir am weißen Lustschloss (Letohrádek Ostrov) und am knallroten Prinzenpalast (Palác princů) vorbei.
Wie Jindra mir später erzählt, kennt sie den Prinzenpalast aus ihrer Jugend noch in einem ganz anderen Zustand: Damals war das Gebäude wohl beinahe eine Ruine. Umso beeindruckender ist es zu sehen, wie prachtvoll es heute wieder dasteht.
Der Schlosspark dagegen war schon zu ihrer Zeit wunderschön. Seine Geschichte reicht weit zurück. Im 17. Jahrhundert war der aufwendig gestaltete Schlossgarten sogar weit über Böhmen hinaus berühmt und wurde von Bohuslav Balbín sogar als "achtes Weltwunder" bezeichnet.
Im Außenbereich der Konditorei Koruna Pralines finden wir schließlich ein schattiges Plätzchen und gönnen uns mit viel Liebe zum Detail kreierte Kuchen und Törtchen.

Am Abend schlendern wir noch einmal gemütlich durch die Fußgängerzone der Karlsbader Altstadt. In der prachtvollen Mühlbrunnkolonnade (Mlýnská kolonáda) lauschen wir einem Orchesterkonzert, ich bekomme noch ein Erinnerungsfoto mit dem braven Soldaten Švejk und zum Abendessen gehen wir ins italienische Ristorante Capri.
Schon am Vortag war uns das Restaurant aufgefallen: Draußen der schöne Sitzbereich direkt an der Teplá, drinnen Kronleuchter, eine offene Empore und unzählige Fotos prominenter Gäste an den Wänden und im Schaufenster.
Mit dabei: Daniel Craig. Wir können jetzt also tatsächlich behaupten, im selben Restaurant gegessen zu haben wie James Bond. Uh! 😎
Der eigentliche Star des Abends ist für mich aber eindeutig die Pizza: Selten hab ich eine so fluffige, knusprige, leckere Pizza gegessen wie hier. Geschnitten wird sie übrigens stilecht mit einer großen Pizzaschere.

… und auch an Tag 3 starten wir direkt mit einem kulinarischen Highlight: frisch gepresste, noch warme Karlsbader Oblaten von der Prodejna Karlovarských oplatek. Spätestens an dieser Stelle könnte der Verdacht aufkommen, wir hätten uns drei Tage lang einmal quer durch Karlsbad gefuttert. Stimmt. 🤣
Ich hätte so gerne ein Video vom Entstehungsprozess der Oblaten gemacht, doch leider war das Fotografieren und Filmen im Laden verboten. Weshalb uns nur ein Schnappschuss bleibt, den mein Bruder noch von außen gemacht hatte.
Wenn du das nächste Mal in Karlsbad bist, solltest du hier aber unbedingt vorbeischauen.

Erster Stopp auf unserer Fahrt Richtung Heimat ist die Burg- und Schlossanlage von Bečov nad Teplou, die wunderschön über dem kleinen Ort thront. Wieder stellen wir unser Auto auf einem kostenpflichtigen Parkplatz am Fuße des Ortes ab und laufen zu Fuß hinauf. Schon der Weg durch die Gassen und Gärten ist herrlich.
Es ist wirklich beeindruckend, wie viele prachtvolle Schlösser und Burgen man in Tschechien findet. Eines schöner als das nächste.
Die Anlage von Bečov besteht aus einer mittelalterlichen Burg, einem Renaissancepalast und einem barocken Schloss. Ihr größter Schatz verbirgt sich allerdings im Inneren: der Reliquienschrein des heiligen Maurus aus dem 13. Jahrhundert. Er gilt als eines der wertvollsten Goldschmiedewerke Tschechiens und wird in seiner Bedeutung sogar mit den böhmischen Kronjuwelen verglichen. Besonders spannend ist auch seine Geschichte: Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Schrein unter dem Fußboden der Burgkapelle versteckt und erst 1985 wiederentdeckt.

Was uns in Bečov außerdem sofort ins Auge fällt, sind die teilweise ziemlich skurrilen Metallskulpturen, die überall im Ort verteilt stehen. Sie gehören zum Weg "Stezka po stopách umění a kovu" (Auf den Spuren von Kunst und Metall). Dahinter steckt das internationale Schmiedesymposium von Bečov, bei dem sich seit 2008 Kunstschmiede aus Tschechien und anderen Ländern treffen und gemeinsam zu einem bestimmten Thema arbeiten. Aus ausgewählten Arbeiten eines jeden Jahrgangs entstehen anschließend große Skulpturen, die dauerhaft im Tal von Bečov aufgestellt und öffentlich zugänglich sind.
Die riesige Figur auf unserem Foto heißt "Živá voda" (Lebendiges Wasser) und entstand zum gleichnamigen Thema. Der gewaltige steinerne Neptunkopf, umgeben von geschmiedetem Eisen, soll die Macht des Wassers über die Kraft des Eisens symbolisieren.

Ein Kloster geht noch. Vor allem, wenn es so ein besonders schönes ist wie das Prämonstratenserstift Teplá. Die weitläufige Klosteranlage wurde bereits 1193 gegründet und blickt damit auf mehr als 800 Jahre Geschichte zurück.
Nach vielen schwierigen Jahrzehnten im 20. Jahrhundert kehrten die Prämonstratenser 1990 hierher zurück und begannen mit der aufwendigen Restaurierung. Heute strahlen Teile des riesigen Komplexes wieder in kräftigem Sonnengelb, während die mächtige Klosterkirche Mariä Verkündigung mit ihren beiden Türmen noch deutlich ihre romanisch-gotischen Ursprünge erkennen lässt. Im Inneren der Anlage verbirgt sich außerdem eine bedeutende historische Klosterbibliothek.
Aber auch ohne Führung gibt es draußen einiges zu entdecken. Den Wasserspielplatz an der historischen Klostermühle z.B. ... hier lässt sich mit Pumpen, Rinnen und Wasserrädern ausprobieren, wie Wasser früher genutzt und gelenkt wurde. Großer Spaß auch für große Kinder. 😅

Bei unserem Spaziergang durch den Klostergarten entdecken wir dann diesen unglaublich mächtigen Baum. Wie ich erst bei der Recherche für diesen Blogbeitrag herausfinde, handelt es sich um die sogenannte Hroznata-Linde, die wohl sogar als eigener Punkt auf dem offiziellen Lageplan des Klosters verzeichnet ist. Sie ist über 250 Jahre alt, rund 41 Meter hoch und beeindruckt mit einem Stammumfang von etwa 9,10 Metern sowie einer rund 14 Meter breiten Krone. 😲
Da bin ich ja mal gespannt, ob die Redwoods bei San Francisco da wohl mithalten können? Das werde ich hoffentlich schon bald selbst herausfinden und in den nächsten Monaten in unserem USA Reisetagebuch davon berichten.

Und mit einem letzten gemeinsamen Mittagessen im Restaurant Ve Skále in Chodová Planá ging unser Familienwochenende auch schon wieder zu Ende. Dafür hat sich mein Papa auch nochmal einen ziemlich außergewöhnlichen Ort ausgesucht: Das Restaurant liegt in einem urigen Felsenkeller mit mächtigen Gewölben, dunklen Gängen und einer Atmosphäre, die im ersten Moment fast ein bisschen unheimlich wirkt ... gleichzeitig aber unglaublich gemütlich ist. Allein die Räumlichkeiten machen den Besuch schon zu einem echten Erlebnis.
Auch das Essen war wieder richtig lecker. Nur auf das angeblich so gesunde "Wasser mit Mineralien" hätten wir rückblickend vielleicht verzichten können. Geschmacklich war das nämlich mindestens genauso gewöhnungsbedürftig wie das Karlsbader Heilwasser. 🤢
Beseelt von der gemeinsamen Familienzeit und mit unzähligen neuen Eindrücken, Geschichten und Erlebnissen im Gepäck fahren wir schließlich glücklich und zufrieden nach Hause.
Wo es uns bei unserem nächsten Familienwochenende wohl hinverschlagen wird? Ich bin gespannt. In meinem Reisetagebuch werde ich aber ganz sicher wieder davon berichten.
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Ich bin hoffnungslos hoffnungsvoll, Siebdruckerin, Mediengestalterin, Mompreneur, Gründerin und kreativer Kopf von shesmile. Ich lebe mit meinen zwei Töchtern und meinem Mann in Siebeneichen, dem schönsten Dorf in Bayern (Oberpfalz).
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